Im Stil einer ganzen Epoche

Geometrische und florale Muster sind typisch für den Jugendstil, einer ganz eigenen Form des Einrichtens. Dabei stammt der Name ursprünglich von einer Zeitschrift ab und wurde im Jahre 1896 im feinen München etabliert. Zu diesem Zeitpunkt konnte sich kaum jemand ausmalen, wie stark dieser Stil auch Jahrhunderte später noch auf Einrichtung, Malerei, Kunsthandwerk und Architektur Einfluss nehmen würde.

Dabei ist der Jugendstil keine deutsche Erfindung, denn auch in Frankreich ist er sehr beliebt und unter dem französischen Begriff „Art Nouveau“ bekannt. Bei den Engländern schlicht „Modern Style“ genannt und im italienischen „Liberty“ gehörte es schon bald zum guten Ton, sich schick und elegant einzurichten, egal in welchem Teil Europas.

Dabei ist kein bestimmtes Möbelstück im Fokus, sondern das Design an sich. Neben Beistelltischen, Anrichten, Schränken und Stühlen sind auch unterschiedliche Dekorationsgegenstände und Stoffe ganz typisch für diese Epoche. Die Wende vom 19. in das 20. Jahrhundert war nicht nur von gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt, auch der Einrichtungsstil unterlief diversen Neuerungen. Man wollte zeigen was man hat und es durfte es ruhig etwas üppiger zugehen. Dabei verteufelten echter Kunstliebhaber billige Massenproduktionen und suchten ihr Glück im Kauf hochwertiger Einzelstücke und individueller Entwürfe. Das kam den Designern und Möbelbauern an der damaligen Zeit natürlich sehr entgegen, denn sie hatten unter der einsetzenden Industrialisierung zu kämpfen und waren froh um jeden Kunden, der ihr handwerkliches Geschick zu schätzen wusste.

Flora und Fauna als stilistische Kunstelemente

Da wurde auch vor Klavieren und Betten nicht Halt gemacht. Sie alle erhielten üppige Ornamentverzierungen, die ihre Einzigartigkeit unterstrichen und in einem Raum ihre Wirkung nicht verfehlten. Das Symbol der umgedrehten Acht war häufig zu finden bei Stücken aus dem Jugendstil. Daneben gab es vor allem Lilien, Wasserpflanzen, Schwäne, Kraniche und viele weitere Tier- und Pflanzenarten zu bewundern. Symmetrische Formen waren sehr unbelieb

t und wurden stattdessen von geschwungenen Linien abgelöst. Auffällig proportioniert, ja geradezu herausgeputzt wirkten die einzelnen Möbelstücke. Dabei war nicht nur der optische Wert entscheidend, auch das Material musste stimmen. Besonders häufig nutze man Weichholz. Dieses wurde entweder in seiner naturbelassenen Oberfläche belassen, oder dunkel lasiert. Die Wahl des Holzes hatte entscheidenden Einfluss auf die spätere Einzigartigkeit der Möbelstücke, denn nur weiches und nachgiebiges Material ließ sich mit speziellen Kunstschliffen verzieren und individuell aufarbeiten. Als Ergänzung zum schweren Holz fand Glas seine Verwendung, entweder in Form von Glastüren oder auch als Tischoberfläche.

Jugendstil

Berühmte Vertreter des Jugendstils

Als Wiege des Jugendstils in Deutschland gilt München und da wundert es auch nicht, dass einer der berühmtesten Vertreter dieses Stils aus der Landeshauptstadt Bayerns stammt, nämlich der Architekt, Maler und Raumgestalter Bernard Pankok. Daneben erlangten auch Martin Dülfer und Bruno Paul viel Anerkennung für ihr künstlerisches Schaffen. Möbelentwürfe von Paul wurden sogar auf der Weltausstellung 1900 in Paris gezeigt und fanden viele Bewunderer. Wer in einigen Großstädten heute durch die Straßen schlendert, der findet beispielsweise in Berlin oder Leipzig noch immer Gebäude aus der Jugendstil-Epoche. Ähnliche Entwicklungen gab es auch in vielen anderen europäischen Ländern, denn auch dort wusste man die Möbel zu schätzen. Hier taten sich vor allen Dingen Joseph Maria Olbrich in Österreich, Alfons Mucha in Tschechien, Émile Gallé in Frankreich und Antoni Gaudí hervor. Gaudi entwarf die berühmte „Sagrada Família“, eine römisch-katholische Kirche die bis heute noch nicht fertig gestellt ist.

Das Ende einer Ära?

Das Ende des Jugendstils liegt irgendwo in den Wirren des Ersten Weltkrieges und ist heute nicht mehr historisch eindeutig zu belegen. Damit gehörten die einzelnen Möbelstücke aber keinesfalls auf den Sperrmüll, denn noch immer finden sich echte Liebhaber des Jugendstils. Kein Wunder, dass sich viele Restauratoren dazu verschrieben haben, alte Möbel dieser Zeit komplett aufzuwerten und ihnen damit neuen Glanz zu verleihen. Nach wie vor ist die Nachfrage nach original Jugendstilmöbeln so hoch, dass es kaum genug restaurierte Stücke gibt, um die Käufer zufriedenzustellen. Aus diesem Grunde finden sich heute viele Möbelbauer, die sich den Jugendstil als Vorbild setzen und neue Möbel herstellen, die dieses einzigartige Design aufgreifen und so dafür sorgen, dass eine längst vergangene Epoche nicht in Vergessenheit geraten kann. Viele Möbelstücke und Gegenstände im Jugendstil lassen sich mit der modernen Einrichtung wunderbar kombinieren. Dabei ist allerdings darauf zu achten, nur ausgewählte Möbel im Wohnraum zu platzieren, um diesen nicht zu überladen und jedes Stück für sich wirken zu lassen. Der Kontrast der Jugendstilmöbel ist sehr interessant gegenüber der klaren Linien moderner Möbel und sorgt so auf für einen echten Blickfang. Zu den Jugendstilmöbeln passen als Ergänzung ausgewählte Dekorationsgegenstände, wie schwere Gardinenstoffe mit auffällig florale Musterdruck, Tiffany Lampen mit auffälligem Glasmustern und Kissen mit verspielten Ornamenten.

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